Sie hat dich vor drei Wochen entdeckt. Ein Carousel über innere Anteile, gespeichert. Ein Reel, in dem du erklärst, warum Erschöpfung kein Charakterfehler ist, zweimal angeschaut. Dein Feed sieht aus wie ein Ort, an dem man ankommen könnte: ruhige Farben, ein klarer Ton, dein Gesicht. Und dann, an einem Dienstagabend, tippt sie auf den Link in deiner Bio. Die Seite lädt. Und lädt. Dann erscheint ein Header von 2019, ein Foto, auf dem du fünf Jahre jünger bist, eine Schrift, die im Feed nirgends vorkommt, und ein Angebot, das du längst nicht mehr machst. Sie kann nicht sagen, was genau nicht stimmt. Aber irgendetwas in ihr macht einen Schritt zurück.
Das Wichtigste in Kürze: Eine veraltete Website neben einem gepflegten Instagram-Auftritt erzeugt einen Bruch, den Interessent:innen körperlich spüren, bevor sie ihn benennen können. Schon 2002 zeigte die Stanford-Forschung, dass „selten aktualisiert“ die Glaubwürdigkeit einer Website stärker senkt als Tippfehler. Weil Menschen die Entscheidung für eine Buchung fast immer auf der Website treffen und fast nie im Feed, kostet dieser Bruch genau die Anfragen, die Instagram vorbereitet hat.
Der Bruch, den man nicht benennen kann
Was in diesem Moment passiert, ist gut erforscht, auch wenn es sich anfühlt wie ein vages Bauchgefühl. In der großen Stanford-Studie zur Glaubwürdigkeit von Websites bezog sich fast die Hälfte aller Kommentare auf das Erscheinungsbild einer Seite. Eine Begleitstudie desselben Jahres maß, welche Merkmale Vertrauen kosten: „Die Seite wird selten aktualisiert“ senkte die Glaubwürdigkeit deutlich stärker als Tippfehler und lag fast gleichauf mit dem schlimmsten Fall, Werbung, die sich nicht vom Inhalt unterscheiden lässt. Menschen lesen Aktualität als Sorgfalt. Sie lesen Veraltetes als Vernachlässigung, und von einer Vernachlässigung schließen sie, fair oder nicht, auf die Arbeit.
Dazu kommt der Bruch selbst. Wer dir auf Instagram folgt, hat ein Bild von dir, das über Wochen entstanden ist: dieser Ton, diese Farben, diese Art, Dinge zu erklären. Trifft er auf der Website eine andere Person, andere Schrift, anderer Stil, anderes Vokabular, entsteht der Eindruck von zwei Anbieterinnen, von denen eine offenbar nicht echt ist. Unternehmen, die ihre Marke konsistent führen, schätzen den Umsatzeffekt dieser Stimmigkeit auf bis zu ein Drittel; das ist eine Selbsteinschätzung aus einer Anbieterstudie, keine harte Messung, aber sie deckt sich mit dem, was ich seit 13 Jahren beobachte. Wiedererkennbarkeit ist Vertrauen. Und Vertrauen ist in deinem Beruf das Produkt.

Warum das so vielen passiert
Ich sage das ohne jeden Vorwurf, weil die Gründe nachvollziehbar sind. Canva und KI-Werkzeuge haben es in den letzten drei Jahren sehr leicht gemacht, auf Instagram einen ansehnlichen Auftritt zu bauen. Canva zählt inzwischen über 265 Millionen Nutzer:innen, und allein sein KI-Werkzeug für kleine Websites und Apps nutzen über zehn Millionen Menschen im Monat. Ein Carousel ist in zwanzig Minuten fertig, sieht gut aus und bekommt Herzen. Das ist befriedigend, und es fühlt sich nach Fortschritt an.
Die Website dagegen ist unbequem. Sie braucht Texte, die tragen, Fotos, die aktuell sind, Technik, die niemand gern anfasst, Rechtstexte, Ladezeit, mobile Ansicht. Also bleibt sie liegen, ein Jahr, drei Jahre, und irgendwann ist der Abstand zwischen dem, was du auf Instagram zeigst, und dem, was deine Website zeigt, so groß, dass die Website mehr schadet als nützt. Das Tückische daran: Man merkt es nicht, weil man selbst nicht mehr hinschaut. Deine Interessent:innen schauen hin.
Was Menschen auf der Website suchen, das Instagram nicht liefern kann
Instagram macht neugierig. Die Website entscheidet. Denn die Fragen, die jemand vor einer Buchung wirklich hat, beantwortet kein Feed: Passt das zu meiner Situation? Wie läuft ein erstes Gespräch ab? Was kostet es? Arbeitet sie online oder vor Ort? Und die leiseste, wichtigste Frage: Ist diese Person wirklich so, wie sie auf Instagram wirkt?
Genau hier zählt jede Sekunde, und zwar wörtlich. Je nach Messung kommen 51 bis 66 Prozent aller Website-Besuche in Deutschland vom Smartphone, und die meisten davon direkt aus einer App. Schon 2016 hat Google gemessen, dass 53 Prozent der mobilen Besuche abgebrochen werden, wenn eine Seite länger als drei Sekunden lädt; eine große Auswertung von 90 Milliarden Sitzungen zeigte 2025, dass 40 Prozent aller Besuche mindestens einen Moment der Frustration enthalten und mehr als die Hälfte der Besucher:innen nach einer einzigen Seite wieder gehen. Eine veraltete Website ist selten nur optisch alt. Sie ist meist auch langsam, mobil unvollständig und inhaltlich von einer Version von dir, die es nicht mehr gibt.

Die Canva-Website ist keine Abkürzung
Der naheliegende Gedanke ist, das Problem mit demselben Werkzeug zu lösen, mit dem der Feed entstanden ist. Ich verstehe den Impuls, und ich rate ab. Unabhängige Tests kommen zu demselben Ergebnis: Canva-Websites sind Einseiter ohne echte Formulare, ohne Blog, ohne saubere Überschriftenstruktur für Suchmaschinen und ohne die Möglichkeit, die mobile Ansicht eigenständig zu gestalten; sie taugen für eine digitale Visitenkarte, nicht für eine Praxis oder ein Coaching-Angebot, das gefunden werden soll. KI-Baukästen liefern in wenigen Minuten eine Seite, die auf den ersten Blick fertig wirkt und auf den zweiten aussieht wie jede andere Seite derselben Branche, weil sie aus denselben Mustern erzeugt wurde.
Zur Einordnung, weil das oft falsch erzählt wird: Google bestraft KI-gebaute Websites nicht als solche. Googles Richtlinien richten sich gegen massenhaft erzeugte, wertlose Seiten. Das Problem einer Baukasten-Seite ist ein anderes, sie ist austauschbar, technisch dünn und sagt nichts über dich, was nicht jede Kollegin genauso sagen könnte. Ob du deine Coaching-Website selbst erstellen oder erstellen lassen solltest, habe ich an anderer Stelle abgewogen; warum eine WordPress-Website, die dir gehört, langfristig die freiere Lösung ist, ebenfalls.
Woran du erkennst, dass deine Website zurückgeblieben ist
Ein ehrlicher Blick reicht meistens. Öffne deine Website auf dem Handy und stell dir vor, du kämst gerade aus deinem eigenen Instagram-Feed. Sechs Anzeichen, die ich in fast jedem Erstgespräch höre:
Das Foto auf der Startseite ist älter als drei Jahre. Das Angebot, das dort steht, ist nicht mehr das Angebot, das du heute machst, oder die Preise stimmen nicht mehr. Die Schrift und die Farben tauchen in deinem Feed nirgends auf. Die Texte klingen anders als du, formeller, werblicher, wie von jemandem geschrieben, der dich nicht kennt. Auf dem Handy musst du zoomen oder seitlich scrollen. Und der letzte Blogbeitrag, falls es einen gibt, ist von vor der Pandemie.
Zwei davon sind normal. Ab vier hat deine Website angefangen, gegen dich zu arbeiten.

Der Weg zurück zur Stimmigkeit
Die gute Nachricht ist, dass du bereits die Hälfte der Arbeit getan hast. Wer auf Instagram über Monate einen Ton und eine Bildwelt entwickelt hat, hat, oft ohne es so zu nennen, an seiner Marke gearbeitet. Der nächste Schritt ist, diese Marke zu klären und dann auf die Website zu übertragen, in der richtigen Reihenfolge: erst die Positionierung und die Farbwelt, dann Fotos, die dich heute zeigen, dann Texte, die klingen wie du im Gespräch, zuletzt das Layout. Was zu einem Branding für Coaches wirklich gehört, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben.
Bei CELA entstehen Marke und Website deshalb aus einer Hand, für Coaches ebenso wie für Therapeut:innen und Heilpraktiker:innen. Das Gesamtpaket beginnt bei 2.900 €, was eine Coaching-Website im Detail kostet, steht in einem eigenen Beitrag. Wenn du magst, schauen wir in einem Erstgespräch, wie groß der Abstand zwischen deinem Feed und deiner Website wirklich ist. Meistens ist er kleiner, als er sich anfühlt.
Häufige Fragen zur veralteten Website
Woran erkenne ich, dass meine Website veraltet ist?
An sechs Anzeichen: Das Startseitenfoto ist älter als drei Jahre, Angebot oder Preise stimmen nicht mehr, Schrift und Farben passen nicht zu deinem Instagram-Auftritt, die Texte klingen anders als du, die mobile Ansicht erfordert Zoomen oder seitliches Scrollen, und der letzte Beitrag ist Jahre alt. Zwei davon sind normal, ab vier arbeitet die Website gegen dich.
Sollte meine Website genauso aussehen wie mein Instagram-Profil?
Sie sollte sich anfühlen wie dieselbe Person: dieselben Farben, dieselbe Schrift, derselbe Ton und aktuelle Fotos. Das Layout darf sich unterscheiden, weil eine Website andere Aufgaben hat als ein Feed, etwa Angebote erklären, Fragen beantworten und Kontakt ermöglichen. Entscheidend ist, dass Besucher:innen beim Wechsel keinen Bruch spüren.
Reicht eine Canva-Website für Coaches und Therapeut:innen?
Für eine digitale Visitenkarte ja, für eine Praxis oder ein Coaching-Angebot, das über Google und KI gefunden werden soll, nein. Canva-Websites sind Einseiter ohne echte Formulare, Blog und saubere Überschriftenstruktur, und die mobile Ansicht lässt sich nicht eigenständig gestalten. Wer gefunden und gebucht werden will, braucht eine vollwertige Website, die ihm gehört.
Was kostet es, eine veraltete Website überarbeiten zu lassen?
Das hängt davon ab, ob die Grundlage noch trägt. Eine reine Auffrischung von Fotos, Texten und Farben ist günstiger als ein Neubau; wenn Technik, Struktur und Marke nicht mehr passen, ist ein Neubau meist die ehrlichere Lösung. Bei CELA beginnt ein klarer Onepager bei 2.900 €, das Gesamtpaket aus Branding und Website ebenfalls.
Wie oft sollte eine Website aktualisiert werden?
Inhalte wie Angebote, Preise und Termine bei jeder Änderung, Fotos etwa alle zwei bis drei Jahre, Technik und Plugins laufend. Ein regelmäßiger Blog- oder Journalbeitrag, etwa alle zwei bis vier Wochen, hält die Seite lebendig und signalisiert Google, KI-Systemen und Besucher:innen, dass hier jemand aktiv ist.






