Es ist fast immer derselbe Moment. Jemand landet auf deiner Startseite, scrollt kurz, findet dein Angebot interessant. Und klickt dann auf „Über mich“. Nicht, um deinen Lebenslauf zu lesen. Sondern um eine einzige Frage zu klären: Kann ich dieser Person vertrauen?
Das Wichtigste in Kürze: Die Über-mich-Seite für Coaches ist eine Vertrauensseite, keine Biografieseite. Sie funktioniert, wenn sie zuerst das Problem deiner Klientinnen benennt, dann deine Haltung zeigt und erst danach deinen Werdegang. Wer nur Stationen und Zertifikate auflistet, beantwortet die falsche Frage.
Wirf einen Blick in deine eigenen Website-Statistiken. Bei den meisten Coaching-Websites, die ich betreue, gehört die Über-mich-Seite zu den zwei, drei meistbesuchten Seiten überhaupt. Gleichzeitig ist sie fast immer die am wenigsten geliebte. Sie wird zuletzt geschrieben, spät am Abend, mit dem Gefühl, jetzt noch schnell etwas über sich sagen zu müssen. Man merkt es ihr an.
Der häufigste Fehler: Du erzählst chronologisch
Die typische Über-mich-Seite beginnt 1998. Ausbildung, Stationen, Weiterbildungen, Zertifikate, und irgendwann, im vierten Absatz, kommt der Satz „Heute begleite ich Menschen dabei…“. Deine Besucherin ist da längst weg.
Der Grund ist einfach: Sie liest deine Seite nicht als deine Geschichte. Sie liest sie als Spiegel ihrer Entscheidung. Jeder Satz wird innerlich übersetzt in „Was bedeutet das für mich?“. Deine Ausbildung von 2009 bedeutet für sie erst einmal nichts. Dein Satz darüber, warum du mit Menschen in Übergangsphasen arbeitest, bedeutet alles.
Dreh die Reihenfolge um. Beginne bei ihr, nicht bei dir.
Eine Struktur, die trägt
Nach vielen Über-mich-Seiten für Coaches, Therapeut:innen und Heilpraktikerinnen hat sich bei mir eine Grundstruktur bewährt. Kein starres Schema, eher eine Dramaturgie:
1. Der Einstieg gehört deiner Klientin. Ein bis zwei Absätze, die zeigen: Ich weiß, wo du gerade stehst. Wer sich in der ersten Zeile wiedererkennt, liest weiter. Das darf konkret sein, sogar unbequem. „Du funktionierst nach außen tadellos und fragst dich abends, wofür eigentlich“ sagt mehr als „Herzlich willkommen auf meiner Seite“.
2. Deine Haltung, nicht deine Methode. Warum arbeitest du so, wie du arbeitest? Was glaubst du über Veränderung, über Menschen, über deinen Beruf? Hier entsteht Vertrauen. Methoden kann man vergleichen, Haltung kann man nur spüren.
3. Jetzt erst der Werdegang. Und zwar kuratiert. Drei relevante Stationen schlagen fünfzehn vollständige. Die Ausbildung, die dein heutiges Arbeiten prägt, gehört hinein. Der Ferienjob von damals nicht, außer er erzählt etwas Wahres über dich.
4. Ein echtes Bild von dir. Kein Stockfoto, kein zwanzig Jahre altes Bewerbungsfoto. Menschen wollen sehen, mit wem sie es zu tun haben, bevor sie ein Erstgespräch buchen. Auf meiner eigenen Über-mich-Seite siehst du, wie viel ein Portrait trägt, das wirklich nach dir aussieht.
5. Der nächste Schritt. Eine Über-mich-Seite ohne Einladung ist eine Sackgasse. Ein ruhiger Hinweis genügt: Wenn dich das anspricht, lass uns kennenlernen.
Persönlich ja, privat nein
Viele Coaches schwanken zwischen zwei Extremen. Die einen verstecken sich hinter Fachsprache und wirken wie eine Behörde. Die anderen erzählen ihre komplette Heilungsgeschichte inklusive aller Krisen und überfordern damit Menschen, die sie noch gar nicht kennen.
Die Grenze ist eigentlich klar zu ziehen: Persönlich ist alles, was deiner Klientin hilft, dich einzuschätzen. Privat ist alles, was du ihr anvertraust, obwohl sie noch gar nichts von dir wollte. Deine eigene Krise darf vorkommen, wenn sie erklärt, warum du heute tust, was du tust. Sie braucht dafür zwei ehrliche Sätze, keine zwanzig dramatischen.
Ein Test, der funktioniert: Lies deine Seite laut vor und stell dir vor, du sagst das alles einer Interessentin im ersten Telefonat. An der Stelle, an der es dir unangenehm würde, ist die Grenze.
Warum diese Seite auch für Google und KI zählt
Die Über-mich-Seite ist längst nicht mehr nur für Menschen da. Wenn jemand ChatGPT oder Google nach einer Coachin für ein bestimmtes Thema fragt, ziehen die Systeme ihre Einschätzung auch daraus, wie klar eine Person, ihre Qualifikation und ihr Standort auf der Website beschrieben sind. Eine präzise Über-mich-Seite mit vollem Namen, Ausbildung, Arbeitsschwerpunkt und Ort füttert genau die Signale, die dort zählen. Wie das große Ganze funktioniert, habe ich im Beitrag über KI-Sichtbarkeit für Coaches beschrieben.
Vage Poesie ohne Fakten schadet dir dort doppelt. Schreib schön, aber schreib auch klar: wer du bist, was du kannst, mit wem du arbeitest, von wo aus.
Wenn du beim Schreiben feststeckst
Fast alle meine Kundinnen sagen denselben Satz: „Über andere könnte ich das sofort schreiben. Über mich nicht.“ Das ist normal und sogar ein gutes Zeichen, denn es heißt, dass du dich nicht selbst vermarkten willst wie ein Produkt.
Drei Wege, die helfen:
Frag drei Klientinnen, warum sie sich für dich entschieden haben. Ihre Worte sind fast immer besser als deine, weil sie von außen sehen, was du für selbstverständlich hältst.
Sprich statt zu schreiben. Nimm dich zehn Minuten mit dem Handy auf, während du erzählst, warum du deinen Beruf liebst. Im Transkript stecken die Sätze, die du am Schreibtisch nie finden würdest.
Und wenn die Seite Teil eines größeren Ganzen werden soll: Beim ganzheitlichen Webdesign für Coaches entsteht die Über-mich-Seite bei mir nie isoliert, sondern aus der Markenarbeit heraus, gemeinsam mit Positionierung, Bildsprache und Struktur. Was ein komplettes Website-Projekt kostet, liest du transparent im Beitrag Was kostet eine Coaching-Website?
Häufige Fragen zur Über-mich-Seite
Wie lang sollte eine Über-mich-Seite für Coaches sein?
Eine Über-mich-Seite für Coaches funktioniert meist mit 300 bis 600 Wörtern. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst die Situation der Klientin, dann Haltung und Arbeitsweise, dann ein kuratierter Werdegang. Länger darf sie werden, wenn jeder Absatz Vertrauen aufbaut statt Stationen aufzuzählen.
Soll ich auf der Über-mich-Seite duzen oder siezen?
Wähle die Anrede, die du auch im Erstgespräch benutzt. Für die meisten Coaches ist das Du stimmig, in therapienahen oder medizinischen Kontexten kann das Sie passender sein. Wichtig ist Konsistenz: dieselbe Anrede auf der ganzen Website, von der Startseite bis zum Kontaktformular.
Gehört meine eigene Krisengeschichte auf die Über-mich-Seite?
Deine eigene Geschichte gehört auf die Über-mich-Seite, wenn sie erklärt, warum du heute als Coach arbeitest. Zwei bis drei ehrliche Sätze reichen dafür. Ausführliche Kriseninszenierungen überfordern Erstbesucher und verschieben den Fokus von der Klientin auf dich.
Welches Foto eignet sich für die Über-mich-Seite?
Ein aktuelles, professionelles Portrait, das dich so zeigt, wie Klientinnen dich im Gespräch erleben werden. Natürliches Licht, ruhiger Hintergrund, direkter Blick. Stockfotos und stark bearbeitete Bilder senken das Vertrauen, weil Besucher den Bruch zwischen Bild und Person später spüren.
Warum ist die Über-mich-Seite für SEO und KI-Suche wichtig?
Suchmaschinen und KI-Systeme wie ChatGPT bewerten, wie klar eine Person hinter einem Angebot erkennbar ist. Eine Über-mich-Seite mit vollem Namen, Qualifikation, Arbeitsschwerpunkt und Ort stärkt diese Signale und erhöht die Chance, bei passenden Anfragen genannt zu werden.






